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von CLOE

Ostergrüße 2016

Wann erleben wir Auferstehung?

Das Spezifikum christlichen Erlösungsglaubens ist sein Geschenkcharakter — Erlösung ist etwas, was der Mensch nicht selbst “leisten“ kann, sondern was er sich “vom VATER durch den SOHN im GEISTE“ schenken lassen muss. Denn wer könnte sich selbst von Schuld, Leid und Tod befreien? Da GOTT auch im Schenken unsere Freiheit — und daher auch die negativen Folgen unseres Freiheitsgebrauches — respektiert, ist diese Erlösung keine Erlösung von Leid und Tod, sondern eine durch Leid und Tod hindurch.

Dieses Geschenk ist eine der vielen Facetten von GOTTES Barmherzigkeit.„Barmherzigkeit“ ist eine Übersetzung des lateinischen Wortes „misericordia“ – in beiden Sprachen korreliert das Wort also mit „Herz“ und meint, ein liebevolles, einfühlsames Herz zu haben. Im Hebräischen bezeichnet der entsprechende Begriff wörtlich die „Mutterschoßlichkeit“ GOTTES – ein starkes Bild. Denn so sicher und liebevoll wie ein Embryo / ein Fötus im Mutterschoß geborgen ist, so sicher ist der Mensch in GOTT geborgen.

Ferner sind im biblischen Denken Gerechtigkeit und Barmherzigkeit keine Gegensätze: Gerechtigkeit ist keine richterliche, sondern eine aufrichtende Eigenschaft: „So erweist GOTT Seine Gerechtigkeit durch die Vergebung der Sünden, die früher, in der Zeit Seiner Geduld, begangen wurden; Er erweist Seine Gerechtigkeit in der gegenwärtigen Zeit, um zu zeigen, dass Er gerecht ist und den gerecht macht, der an JESUS glaubt.“ (Röm 3, 25 b-26)

Das ist auch der Sinn des Purgatoriums, nicht sehr glücklich mit „Fegfeuer“ übersetzt, worauf auch Papst BENEDIKT XVI aufmerksam machte. Denn wohl kein Mensch kann beanspruchen, im Tod vollkommen gerecht GOTT zu begegnen – er muss daher „gerichtet“ im Sinne von „aufgerichtet“ werden. Dazu passt, dass in der gesamten Hl Schrift – nicht nur im NT – GOTT als der Erlöser und Befreier gesehen wird: menschliche Herrschaft versklavt, göttliche Herrschaft befreit, beginnend mit der Befreiung aus dem „Sklavenhaus Ägypten“ im Buch Exodus bis zu „Zur Freiheit hat uns CHISTUS befreit“ (Gal 5,1)JESUS veranschaulicht GOTTES Barmherzigkeit mit dem bekannten Gleichnis vom Barmherzigen Vater (Lk 15,11-32).

Die Pharisäer und Schriftgelen kritisieren JESU Umgang mit Sündern - JESUS antwortet mit drei Gleichnissen, die - in steigernder Reihung - Freude über die Wiederfindung von Verlorenem (Schaf - Drachme - Sohn) thematisieren. Dadurch will Er die Schriftgelehrten und Pharisäer einladen, ihre Haltung gegenüber „Sündern“ zu überdenken.

Beide Söhne werden schuldig: Der Jüngere nicht deshalb, weil er sich seinen Erbteil auszahlen ließ - damals wohnten ca 4 Mio Juden in der Diaspora, nur ca 1/2 Mio in der Heimat -, sondern weil er mit dem ausbezahlten Erbe keine neue Existenz aufbaute. Der Ältere wird schuldig, weil er sein "Bravbleiben" für sein persönliches Verdienst hält und dem Jüngeren gegenüber missgünstig ist.

Der Vater übt keinen Zwang aus, ist aber beiden Söhnen gegenüber barmherzig: Dem Jüngeren "eilt" er entgegen, macht keine Vorwürfe, sondern umarmt ihn, schenkt Gewand, Schuhe, Ring (Wiedereinsetzung in die Sohnesrechte) und veranstaltet ein Festmahl. Meisterhaft hat dies REMBRANDT dargestellt, der Vater hat eine männlich-väterliche und eine weiblich-mütterliche Hand. Zum Älteren "geht er hinaus" und "redet ihm gut zu". Die Parabel endet offen - wir erfahren nicht, ob der ältere Sohn die Freude des Vaters teilen lernt. Aber wir erfahren durch die Erzählung, dass JESUS den Gesetzestreuen klar machen will, dass auch der Sün¬der ihr Bruder bleibt und dass auch in jedem „Gerechten“ ein „Sünder“ (Schatten) verborgen ist.

Gleichsam die Anwendung des Gleichnisses vom Barmherzigen Vater ist das des Barmherzigen Samariters. Nächstenliebe wird dadurch charakterisiert nicht als bloßes Gefühl, sondern als konkrete Tat, die die bloße Gesetzeserfüllung übertrifft. JESUS hat mit der Geschichte die Frage "Wer ist mein Nächster?" gewendet in die Frage "Wem bin ich Nächster?" - nicht ich bestimme, wer mein Nächster ist, sondern GOTT durch die Umstände, in die Er mich stellt.

Barmherzigkeit ist also eine der wesentlichsten Konkretisierungen von Liebe – damit Grund der Hoffnung, dass uns Auferstehung geschenkt wird. Wir erleben Auferstehung partiell schon in diesem Leben, wenn wir Barmherzigkeit erleben.

Gesegnete Ostern
Sr. Katharina Deifel OP

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