Warum ist die geplante Novellierung des Islamgesetzes für Moslems anstößig?

von CLOE

Frage einer Österreicherin: Warum ist die geplante Novellierung des Islamgesetzes für einige oder gar viele Moslems anstößig?

In einer pluralistischen Gesellschaft darf keine Religion oder Konfession bevorzugt oder benachteiligt werden. Hier verstehe ich die Kritik der IGGiÖ und der MJÖ an den Novellierungsvorschlägen nicht:

  • Alle christlichen Glaubensverkündiger müssen entweder in Österreich ausgebildet sein oder die Gleichwertigkeit ihrer Ausbildung nachweisen bzw. Ausbildungen nachmachen. Wenn der Gesetzesentwurf das auch von islamischen Religionslehrern und Imamen verlangt, kann doch nicht von einer Benachteiligung des Islam gesprochen werden, da dies für christliche Konfessionen selbstverständlich auch gilt.
  • Alle christlichen Konfessionen müssen ihre Glaubensgrundlage und Unterrichtsbehelfe in unsere Landessprache vorlegen.Der Widerstand gegen die Darlegung der islamischen Glaubenlehre, besonders gegen eine von den Moslems selbst anerkannten Übersetzung des Koran, ist daher unverständlich. Die christliche Bibel ist sogar um Einiges älter als der Koran und das AT ebenfalls in semitischen Sprachen verfasst, dennoch kann jede christliche Konfession zumindest eine von ihr anerkannte Übersetzung vorweisen. – Es liegt doch auch im Interesse der Moslems, dass nicht jeder, der sich als Moslem bezeichnet, beliebige Interpretationen der Glaubenslehre verbreiten darf.
  • Ein anderes Problem gibt es in dieser Form bei den christlichen Konfessionen nicht: nur wenige islamische Vereine gehören der IGGiÖ an, eine unübersichtlich große Zahl nicht – theoretisch sind diese also nicht durch das Gesetz gebunden. Um diese Rechtunsicherheit zu ändern, müssten sie sich unter das Dach der IGGiÖ – oder einer anderen anerkannten islamischen Gruppierung - begeben oder aufgelöst werden.
  • Schon im Islamgesetz von 1912 wurde eine Eigenfinanzierung religiöser Gemeinschaften durch die eigenen Mitglieder gefordert, damit diese von ausländischen Einflüssen und Interessen frei seien.
  • Ferner wäre zu prüfen, ob alle islamischen Schächtungen mit Betäubung erfolgen, was laut österreichischem Tierschutzgesetz gefordert ist.

Ich kann also in der Novellierung keine Benachteiligung erkennen, sondern den Versuch einer Gleichschaltung der in unserem Staat lebenden Religionsgemeinschaften, was im Sinne der Rechtssicherheit dringend notwendig wäre.

Sr Katharina Deifel

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